Die Fortpflanzungstypen von Garnelen

Wenn Du Dich über die Garnelenzucht informierst, wirst Du zwangsläufig auf die Begriffe „primitiver“ und „spezialisierter“ Fortpflanzungstyp (Fpt.) stoßen. Das Schöne dabei ist, dass der spezialisierte, oder auch entwickelte, Fpt. deutlich leichter zu Vermehren ist und viele der üblichen Garnelenarten wie Sakura-, Bienen- und Tigergarnelen diesem Typen angehören.

Der spezialisierte Fpt. wird oft mit der Fortpflanzung von lebendgebärenden Fischen verglichen und ist für den Aquarianer auch ähnlich leit zu handhaben. Die einzelnen Entwicklungsschritte lassen sich dabei bei WhitePearl-Garnelen (Neocaridina palmata var. WhitePearl) beobachten. Dabei ist zunächst der Eiansatz in den Eierstöcken zu erkennen. Dieser befindet sich im „Nackenbereich“ und wird oft als Eifleck bezeichnet. In diesem Stadium entwickeln sich die weiblichen Eizellen. Sind sie ausgereift, werden sie durch die Eileiter unter den Hinterleib gepresst. Während dieses Vorganges werden die Eier von einer männlichen Garnele befruchtet. Das Weibchen fixiert nun die Eier mit seinen Schwimmbeinen und fächelt ihnen ständig frisches Wasser zu. Auf diese Weise wird das Gelege gepflegt. Unbefruchtete oder verpilzte Eier werden aussortiert. Das Weibchen trägt die Eier so lange mit sich herum, bis nach einigen Wochen fertige Junggarnelen aus den Eiern schlüpfen. Diese sind voll entwickelt und sehen aus wie Miniaturen ihrer ohnehin nicht sehr großen Eltern. Wie lange dieser Entwicklungszyklus dauert, schwankt mit der Garnelenart und der Wassertemperatur erheblich.

Der primitive Fpt. beginnt in gleicher Weise mit einem Eifleck und befruchteten Eiern unter dem Abdomen. Der Unterschied liegt darin, dass keine fertigen Junggarnelen entlassen werden, sondern Larven. In der Natur werden diese mit dem Flusslauf ins Meer gespült, wo sie sich entwickeln und als Junggarnelen den Flusslauf wieder emporsteigen.

Foto: WhitePearl-Garnele mit Eifleck, Neocaridina palmata var. WhitePearl, by exocrusta
Ein solcher Eifleck wird von Züchtern gerne gesehen. Er ist der erste Vorbote für den nächsten Nachwuchs.
Foto: WhitePearl-Garnele mit Gelege, Neocaridina palmata var. WhitePearl, by exocrusta
Die weibliche Garnele trägt das Gelege aus.

Foto: Amanogarnele mit Einfleck, Caridina multidentata, by exocrusta
Bei dieser Amanogarnele ist deutlich der große Eifleck im Nacken zu erkennen. Es wird deutlich, dass die kleine WhitePearl-Garnele (untern links) nicht ansatzweise so viele Eier entwickeln kann.

Das bedeutet für den Züchter, dass er ein extra Aufzuchtsbecken benötigt, in dem er die Garnelenlarven in Brackwasser aufziehen kann. Tut er dies nicht, sterben die Larven nach wenigen Tagen ab.

Zu diesem primitiven Fpt. gehören unter anderem die beliebte Amanogarnelen (Caridina multidentata). Ihre Vermehrung gelingt Einsteigern nur selten, da bisher auch nicht bekannt ist, bei welcher Salzkonzentration sich die Larven am zuverlässigsten entwickeln.

Neben der Entwicklung im Larvenstadium gibt es jedoch auch noch einen zweiten Unterschied: Die Eier des primitiven Fpt. sind deutlich kleiner und werden in größerer Stückzahl entwickelt. Während eine Amanogarnele nicht selten mehrere Hundert Eier austrägt, sind es bei WhitePearl-Garnelen selten mehr als Fünfzig.

Ich hoffe Dir hier einen hilfreichen Überblick über die Fpt. gegeben zu haben. Dieses Wissen sollte helfen, wenn Du gerade auf der Suche nach neuen Garnelen bist. Wenn Du noch Fragen hast, dann poste sie gerne im Bereich unter diesem Beitrag.

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