Namensalat in der davidi-family

Bild: Naturform der Neocaridina davidi Garnele, by exocrusta
Die Naturform ist individuell aber unscheinbar gefärbt.

Rückenstrichgarnele, Algengarnele, Guppygarnele, Invasionsgarnele, Miniamanogarnele, Fire-Garnele, Sakuragarnele, Rilli-Shrimp, Jadegarnele, … Es gibt eine ganze Menge von Garnelenarten. Aber Moment! All diese Trivialnamen gehören zu einer Art: Neocaridina davidi oder doch N. heteropoda oder nicht doch N. denticulata? Was ist mit N. sinensis? Was hier herrscht, ist ein riesiger Namensalat. Schauen wir mal, ob wir die Zutaten bestimmen können.

 

Zunächst einmal sollten wir die wissenschaftliche Bezeichnung klären. Es kommt häufig vor, dass Tiere vorübergehend bestimmt werden und ihre Bezeichnungen aufgrund von Untersuchungen oft erst viele Jahre später revidiert werden. So auch bei dieser Garnelenart. Anfangs ging man von zwei Arten aus, die als N. denticulata denticulata  und N. denticulata sinensis bezeichnet wurden. Das korrigierte man, sodass die ersten Zuchtformen einige Zeit als N. heteropoda gehandelt wurden. Auch heute findet man diesen Namen noch bei einigen Händlern. Die heute aktuelle Bezeichnung ist schließlich N. davidi.

 

Nun aber darf man den Überblick bei der Fülle von Trivialnamen nicht verlieren. Der meist verbreitetste ist Rückenstrichgarnele, aufgrund einer entsprechenden Zeichnung. Da diese aber nicht bei allen Tieren auftritt, dagegen gelegentlich aber bei anderen Arten, ist sie nur bedingt eindeutig. Andere bezeichnen die Tiere auch als Algen- oder Miniamanogarnele. Ich sehe das kritisch, da es zu einer Verwechslungsgefahr mit der eigentlichen Amanogarnele (Caridina multidentata) führt. Zwei treffendere Namen sind dagegen Guppy- oder Invasionsgarnele. Hier ist die unkomplizierte Zucht und problemlose Vermehrung namensgebend.

All diese Titel werden aber fast ausschließlich auf die Naturform angewendet, die mit ihrer grau-braunen Färbung mit hoher Transparenz eher weniger gefragt ist. Was die davidis ausmacht, ist ihre unerreichte Zahl an Farbformen. Diese erhalten dann exklusive Namen, nicht zuletzt um ihren Wert zu steigern. Die Anfänge bildeten hier Garnelen mit einem großen Rotanteil. Sie sind als Red Fire Garnelen populär geworden. Ihre gelbe Version heißt entsprechend Yellow Fire.

Dann begannen Züchter, immer intensiver gefärbte Tiere zu selektieren. Als die Farben dann deckend und die Beine farbig wurden, entstand der Begriff Sakura-Garnele, der sich zunächst nur auf rote Tiere bezog. Mit der Zeit kamen dann weitere Zuchtformen nach Deutschland, die Namen trugen wie Yellow Sakura, Orange Sakura, Black Sakura, Schoko Sakura oder Deep/Dark Blue (auch Blue Dreem) Sakura. Natürlich gibt es auch Red Sakura, doch werden die von Kennern wiederum in Bloody Mary, Red Cherry und andere fantasievolle Bezeichnungen unterteilt werden. Green Sakura Garnelen habe ich bisher noch nicht gesehen, jedoch gibt es einen entsprechenden Farbschlag, der als Green Jade verkauft wird.


Eine weitere große Gruppe sind die sogenannten Rilli-Shrimps. Das sind Garnelen, bei denen ganze Körperbereiche ungefärbt sind. Anfangs wurden diese Tiere ausselektiert und nicht weiter beachtet, doch es hat sich eine Liebhabenszene gebildet, die diese Farbformen gezielt vermehrt. So entstanden auch hier neben den ursprünglichen Red Rilli, auch Yellow und Orange Rilli aber auch Blue Rilli und Carbon Rilli Garnelen. Letztere weisen eine schwarze Färbung auf und haben oft auch einen blauen Anteil. Zu den Blue Rilli bleibt noch zu sagen, dass ihre Färbung oft flächig aber nicht deckend ist. Sind keine weiteren Farbanteile zu erkennen, wird diese Form wiederum als Blue Jelly bezeichnet.


Hat man das alles verinnerlicht, ist man schon echt gut. Nun beginnen die Züchter zweifarbige Zuchtformen durch Kreuzungen zu erhalten oder legen Wert auf besondere Zeichnungen. In dieser Hinsicht werden sich immer wieder interessante neue Farbschläge ergeben.

Onlineshop mit Angebot zu Garnelenmix, Neocaridina davidi
Quelle: https://www.garnelio.de/deutscher-garnelenmix-neocaridina-davidi-6st. [2015-05-03]

Was all diese Formen gemeinsam haben ist ihre Artzugehörigkeit, es sind alles N. davidi. Daraus folgt, dass sich die Tiere auch untereinander kreuzen. Hält man also eine Gruppe verschiedener Zuchtformen in einem Becken, mag das artgerecht und auch nicht verboten sein, es führt aber zu Rückkreuzungen, sodass nach einiger Zeit wieder Garnelen der Naturfarbe im Aquarium schwimmen. Es muss jeder für sich wissen, ob ein „Deutschland Sakura Mix“ das Richtige ist oder nicht doch nur die Vernichtung mühevoller Zuchtarbeit. Wenn einem eine bunte Mischung aber besser gefällt, so ist man verpflichtet, diesen Umstand anzugeben, wenn man Garnelen weitergibt, egal ob man dafür Geld nimmt oder nicht!

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