Mit sieben Tipps zu einem professionellen Aquascape

Bild: Aquascaping Layout Ashy Range von Dave Chow
Eines meiner Lieblingslayouts: "Ashy Range" von Dave Chow (http://showcase.aquatic-gardeners.org/2007/Medium/7.jpg [04.05.2015])

Das Aquascaping ist in aller Munde. Großartige Layouts von Profis, eine umfangreiche Produktpalette im Fachhandel und nicht zuletzt der Reiz der Wettbewerbe haben dafür gesorgt, dass immer mehr Aquarianer ihre Becken nach ästhetischen Gesichtspunkten einrichten. Dennoch klappt es nur selten auf Anhieb ein eindrucksvolles Scape zu schaffen. Im Folgenden sollen daher sieben Tipps aufgezeigt werden, die zum Erfolg führen.

Zunächst sollten wir feststellen, was die Unterschiede zwischen einem hübsch eingerichteten Aquarium und einem Aquascape sind. Ein gutes Aquascape zeichnet sich durch eine beeindruckende Tiefenwirkung aus. Außerdem strahlt es eine beruhigende Harmonie aus und erscheint als ein großes Ganzes. In sieben Schritten kann jeder diesem Ziel näherkommen.


Das Bodenniveau

Man muss kein Aquascaper sein, um zu wissen, dass das Bodenniveau nach hinten hin ansteigen sollte. Beim Aquascapen kann mit diesem Hinweis gerne etwas radikaler umgegangen werden. Es ist nicht selten, dass in den hinteren Ecken das Becken bis zur Hälfte oder noch höher mit Bodengrund gefüllt ist. Diese einfache Methode schafft sehr viel Tiefe im Layout.

Das Ergebnis sollte dabei keine geneigte Ebene sein, die überall den gleichen Anstieg hat. Hier ist Kreativität gefragt. Beliebt sind Erhöhungen oder Täler, Schluchten oder eingearbeitete Plateaus. Folgende Merkmale bilden dabei die Grundlage für ein tolles Aquascape: Das Höhenniveau sollte an der Frontscheibe schwach steigen, weiter hinten kann es dann steil werden. Außerdem sollte das Substrat an den beiden Seitenscheiben nicht gleich hoch sein. Authentischer wirkt es zusätzlich, wenn der Bodengrund an der Frontscheibe auf der ganzen Breite gleich hoch ist.

Bild: flowing harmonie von Markus Taubert Aquascaping, Iwagumi-Layout, by exocrusta
Dieses Layout würde mit einer dichten Hintergrundbepflanzung viel Tiefe verlieren. Zudem zeigt es, wie wichtig die Modellierung des Bodenniveaus ist.

Die Klarheit

Ein Aquascape soll als Gesamtbild wirken. Detailbetrachtungen filigraner Pflanzen oder exotischer Fische sind zweitrangig. Der erste Blick entscheidet hier beinahe mehr, als in einem Bewerbungsgespräch. Da dieser erste Eindruck Priorität hat, ist es ratsam, das Layout klar zu gliedern. So kann der angestrebte „Wow“-Effekt beim Betrachter sofort Wirkung zeigen.

Aber was verschafft dem Aquascape Klarheit? Die meisten Fehler werden hier bei der Wahl der Pflanzen, dem Softscapes gemacht. Hier gilt: Weniger ist mehr! Was damit gemeint ist wird bei der Betrachtung eines Iwagumi-Layouts deutlich. Ein solches Scapes kommt mit nur einer Pflanzenart aus und ist in seinem klaren Design kaum zu überbieten. Wenn doch etwas mehr Vielfalt gewünscht ist, sollte man sich je nach Beckengröße auf vier bis fünf Pflanzenarten beschränken.

Der zweite Fehler besteht im wahllosen Verteilen kleiner Pflanzengruppen im Becken. Ein großer aus Stängelpflanzen gewachsener Busch lenkt jedoch deutlich weniger vom Gesamtbild ab als vereinzelte Pflanzen. Man muss sich bewusst machen, dass das Softscape nicht das Motiv, sondern die Farbe des Aquascapes ist.

Eine übersichtliche Struktur muss aber auch von Wurzeln und Steinen, dem Hardscape unterstrichen werden. Häufig wird die notwendige Menge des Materials unterschätzt, sodass Wurzeln und Steine von den Pflanzen überwuchert werden und verschwinden. Die Folge ist ein flaues Layout ohne klare Richtungen.

Ein weiteres Mittel, das sich sehr einfach umsetzen lässt, ist ein freier Blick auf die Rückscheibe an mindestens einer Stelle bis zum Bodenniveau. Missachtet man dies, wirkt das Becken zugebaut und jegliche Tiefenwirkung wird zerstört.

 

Der Goldene Schnitt

Der Goldene Schnitt ist ein viel zitiertes ästhetisches Mittel, das auch in anderen Künsten und nicht zuletzt auch in der Natur häufig Anwendung findet. Daher bietet er sich auch für das Aquascapen an. Der Goldene Schnitt wurde erstmals in Schriften der Antike beschreiben und gibt an, wie eine Strecke geteilt werden muss, damit die entstandenen Teilstücke möglichst harmonisch zueinander proportioniert sind. Dieses Verhältnis liegt bei etwa 61,8 % zu 38,2 % und lässt sich auch auf Flächen anwenden.

Relevant ist der Goldene Schnitt, wenn man ihn auf die Kantenlängen der Frontscheibe anwendet. Auf diesen optischen Linien sollten wesentliche Gestaltungsschwerpunkte, wie zum Beispiel das Zentrum einer Wurzel liegen. Hierfür sind besonders auch die Schnittpunkte der vier Linien interessant. Dieses Mittel ist sehr vielseitig einsetzbar. Es bietet sich an, das Verhältnis zwischen verdecktem und sichtbarem Teil der Rückscheibe entsprechend zu planen. Egal wie der Goldene Schnitt Anwendung findet, das Resultat ist zu meist ein deutliches Plus an Harmonie in der Gestaltung.

Bild: Weg im Aquascape und Goldener Schnitt, Amazon von Zhang Jianfeng, by exocrusta
Das Layout "Amazon" von Zhang Jianfeng zeigt statt eines Wegs einen Flusslauf. Zudem ist dessen Ende perfekt im Goldenen Schnitt platziert. (http://showcase.aquatic-gardeners.org/2012/Medium/1921.jpg [04.05.2015])

Der Weg

Ein Weg ist ein Gestaltungsmerkmal, das sich sehr einfach umsetzen lässt, wenn man weiß wie. Doch worin liegt das Geheimnis der spektakulären Wirkung, die von den Vorbildern bekannt ist? Betrachtet man ein gelungenes Layout von oben, so fällt auf, dass der mit Dekosand ausgelegte Bereich an der Frontscheibe mehr als ein Drittel teilweise sogar die Hälfte der Beckenbreite ausmacht. Auf den nächsten 5 cm bis 10 cm halbiert sich seine Breite, bevor er an der Rückscheibe nur noch wenige Zentimeter breit ist. Ist man hier nicht mutig genug, verschenkt man viel gestalterisches Potenzial.

Perfekt wird das Ergebnis, wenn der Weg nicht stumpf an der Rückscheibe endet. Es empfiehlt sich, ihn kurz vorher zur Seite weg hinter einer Pflanzengruppe auslaufen zu lassen. So kann die Tiefenwirkung sprichwörtliche Endlosigkeit erlangen.

Bild: Linienführung im Aquascape Ashy Range von Dave Chow, by exocrusta
Am Ashy Range Layout lässt sich gut zeigen, wie die Linienführung den Blick zum Fluchtpunkt lenkt. (http://showcase.aquatic-gardeners.org/2007/Medium/7.jpg [04.05.2015])

Die Linienführung

Die Linienführung wird von vielen Einsteigen übersehen, obwohl sie eine elementare Grundlage für ein erfolgreiches Layout ist. Gemeint sind gedachte Linien, die sich aus auffälligen Kanten des Hardscapes ergeben. An ihnen orientiert sich das Auge des Betrachters. Der Aquascaper muss alle Pflanzen, Hölzer und Steine so ausrichten, dass der Blick durch diese Linien immer wieder zu einem optischen Zentrum geleitet wird. Dieser Fluchtpunkt sollte das thematische Zentrum der Gestaltung sein und im Goldenen Schnitt liegen. Hier kann der größte Stein positioniert sein, eine Schlucht münden oder ein einzelner Baum positioniert sein.

Es ist dabei wesentlich, wie die verschiedenen Linien zueinander stehen. Kreuzen sie sich ungünstig, kommt es zu einem optischen Bruch. Weisen sie auf verschiedene Zentren, so springt das betrachtende Auge hin und her, was die Wirkung des Aquascapes ruiniert. Auch parallele Linien zu den Kanten des Beckens sind ungünstig. Durch sie wird ein Bezug zu den Aquariengrenzen aufgebaut, aus denen man eigentlich auszubrechen versucht. In der bewussten Anwendung dieser Kenntnisse liegt der Schlüssel zu einem harmonischen Aquascape.

Oft ist es gar nicht leicht, sich in diese Welt der Linien einzufinden. Es hilft dabei sehr, sich ein Foto auszudrucken und selber mit einem Stift die offensichtlichen Linien einzuzeichnen. So bekommt man schnell ein Gefühl für den natürlichen Schwung.

 

Die Perspektive

Das Spielen mit der Perspektive eröffnet eine Vielzahl von Möglichkeiten, setzt aber auch Vorstellungsvermögen und Geschick voraus. Bemerkenswert ist, dass es auf Fotos einiger Layouts sehr schwierig ist, die Beckenmaße abzuschätzen, da die perspektivische Verzerrung die Szene größer erscheinen lässt.

Will man diesen Effekt nutzen, sollte man sich zunächst bewusst machen, dass wir Menschen zentralperspektivisch sehen. Das bedeutet, dass unsere geradlinigen Blicke im Auge beginnen und sich dann sternförmig in alle Richtungen ausbreiten. Stehen wir also zentral vor einem Haus mit rechteckigem Grundriss, so können wir keine der hinteren Ecken sehen (im Gegensatz zur Kavalierperspektive).

Damit die entsprechende Tiefenwirkung im Aquascape erzielt werden kann, sollten sowohl Hard- als auch Softscape nach hinten hin filigraner gewählt werden. Außerdem kann die schon besprochene Linienführung so eingesetzt werden, dass sie ebenfalls die Zentralperspektive unterstützt. Die horizontalen Kanten der Seitenscheiben, die bei mittiger Betrachtung nach innen verlaufen, bieten dabei eine gute Orientierungshilfe.

 

Die Kontraste

Dieser letzte Tipp dient dazu, das nun schon recht professionelle Layout zu perfektionieren. Kontraste verleihen einer Gestaltung Spannung, Stärke und Leben. Ohne sie verschenkt man viel Qualität des fertigen Aquascapes. Sie sind sehr vielseitig und müssen nicht immer auffallen. Der offensichtlichste ist der Hell-Dunkel-Kontrast. Er umfasst auch ein Detail, das gerne vergessen wird, den Schatten. Ohne weiter darüber nachzudenken, ist man oft unbewusst versucht, Schatten zu vermeiden. Doch das ist ein Fehler! Auf diese Weise wirkt das Gesamtbild platt. Vereinzelte Schatten sorgen für Bildspannung und bieten Raum für Fantasie. Sie sind daher ein fester Bestandteil vieler professioneller Layouts.

Es gibt aber noch mehr Formen von Kantrasten, die sich in ein Aquascape einarbeiten lassen, wie zum Beispiel Formkontraste zwischen klobigen Steinen und filigranen Wurzeln, ganz banale Größen- oder Richtungskontraste, aber auch Mengenkontraste zwischen zwei Hardscapegruppen. Schließlich gibt es noch eine Reihe von Farbkontrasten, die sich für das Scapen eignen. Der wichtigste ist dabei der Kalt-Warm-Kontrast. Er lässt sich verarbeiten, indem man in das standardmäßig grüne Softscape eine Gruppe roter Pflanzen einfügt. Spätestens hier zeigt sich die Wichtigkeit äußerst sorgfältig ausgewähltem Hard- und Softscapes.

 

Für die Kontraste gilt aber die Prämisse, wie für alle anderen beschriebenen ästhetischen Mittel auch, dass sie das Gesamte unterstützen und zu einem einheitlichen Bild beitragen müssen. Durch die Anwendung jedes einzelnen Tipps wird ein Aquarium ein Stück mehr zum Aquascape. Fertig ist es aber erst dann, wenn alle Tipps und Mittel so umgesetzt sind, dass sie nicht mehr einzeln auffallen, sondern das finale Ganze zu einem imposanten Bild formen, dem Aquascape.


Hier erfährst Du, wie Du ein Aquascape richtig fotografierst.

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