Der Boden bildet die Grundlage!

"Der ist gut für die Mikrofauna!" "Pass auf, dass der nicht fault!" "Verletzungsgefahr." Wenn man sich bei der Wahl des richtigen Bodengrunds beraten lässt, hört man bei drei Händlern fünf Meinungen. Aber was brauchen die Garnelen wirklich und was darf auf keinen Fall sein?

Zunächst ist richtig, dass die Wahl des Bodengrunds sehr bewusst getroffen werden sollte. Dennoch hat man als Garnelenaquarianer mehr Wahlmöglichkeiten als sich das viele eingestehen. Es gibt drei wichtige Kategorien, die ein Substrat charakterisieren:

Der grundlegende Punkt, den man sich bewusst machen muss, ist die Struktur. Das bezieht sich zum einen auf die Oberflächenbeschaffenheit und zum anderen auf die Körnung. Es sei vorweggenommen, dass das Argument der Verletzungsgefahr aufgrund scharfkantigen Kieses bei Garnelen nicht stichhaltig ist. Diese Eigenschaft mag bei Panzerwelsen eine Rolle spielen, die den ganzen Tag ihr Barteln in den Boden stecken. Garnelen kommen dahin gehend aber mit jedem Bodengrund zurecht.

Eine andere Frage ist, wie grob die Körnung des Materials ist. Hier ist es klug, einen Mittelweg zu finden. Sehr grober Kies mit einer Körnung größer als 5 mm hat zwar den Vorteil, dass die Zwischenräume bis zu einem gewissen Maße Versteckmöglichkeiten für Junggarnelen sind, jedoch lieben es Garnelen, mit ihren Greifarmen den Boden auf der Suche nach Nahrhaftem zu durchstöbern und dabei auch Steine umzudrehen. Sind diese zu groß, können die Garnelen nicht ihr natürliches Verhalten zeigen. Aber auch sehr feiner Sand hat einen Nachteil: Er verdichtet sich sehr stark und schränkt die Wasserzirkulation im Boden ein. Das kann zu Fäulnisprozessen führen, deren Produkte für Garnelen oft schon in kleinen Konzentrationen tödlich sein können. Als optimal erachte ich daher eine Körnung von etwa 3 mm.

Dieses Video zweigt, wie Zwerggarnelen mit unterschiedlichen Kieskörnungen umgehen. Die großen Kiesel können praktisch nicht bewegt werden.


Tipp: Es gibt Möglichkeiten um Fäulnis zusätzlich vorzubeugen: Zum einen sorgt eine Bodenheizung dafür, dass Wasser in den Bodenschichten erwärmt wird und so aufsteigt. Kühleres Wasser fließt nach und der Boden wird kontinuierlich durchspült. Ein angenehmer Nebeneffekt ist, dass so auch mehr Nährstoffe die Wurzeln der Pflanzen erreichen. Deutlich kostengünstiger ist der Einsatz von Turmdeckelschnecken. Diese graben sich in den Boden ein und durchwühlen ihn auf diese Weise.

Eine zweite Frage, die es zu diskutieren gilt ist, ob man Wert auf einen aktiven Bodengrund legt. Auch hier muss man in zwei Kategorien unterscheiden. Zum einen gibt es Nährböden in den unterschiedlichsten Varianten. Ich rate allerdings von solchen Produkten ab, die von einer Kiesschicht bedeckt werden müssen. Sie mögen zwar in der ersten Zeit ihre Aufgabe recht gut erfüllen, langfristig sind sie jedoch bei der Pflege lästig. Auch halte ich von Düngekapseln, Lehmkugeln oder Tabletten nichts, die Nährstoffe an die Wurzeln liefern sollen. Sie führen immer zu einer einseitigen Nährstoffversorgung und führen daher oft zu Algenproblemen.

Die andere Art der aktiven Substrate sind sogenannte Soils, die Einfluss auf die Wasserwerte nehmen. Sie bestehen aus gebrannten Tonerden und reduzieren zum Beispiel die Wasserhärte und sorgen für ein leicht saures Milieu, was gerade Bienen- und Tigergarnelen entgegenkommt. Man muss sich jedoch bewusst sein, dass dieser Effekt nicht auf Dauer anhält und spätestens nach einem halben Jahr spürbar nachlässt.

Foto: Kontraste zwischen Garnelen und Bodengrund, by exocrusta.
Das Bild zeigt sehr schön, dass die sonst unscheinbaren WhitePearl-Garneln auf dunklem Boden plötzlich leuchten. Die Schoko-Sakura-Garnelen übersieht man jedoch beinahe.

Zu guter Letzt muss noch entschieden werden, welches Erscheinungsbild der Boden haben soll. Hier spielt die Farbe eine große Rolle. Es gibt neben verschiedenen Naturfärbungen heute auch eine große Auswahl an farbigen Bodengründen. Hier ist es letztlich Geschmackssache, für was man sich entscheidet. Ein Einfluss auf das Verhalten der Garnelen konnte bisher nicht klar bewiesen werden. Es ist jedoch ratsam, bei der Wahl des Bodens Rücksicht auf die zukünftigen Bewohner zu nehmen. Es bietet sich an, Kontraste zu den Körperfarben der Garnelen zu setzen.

Ich persönlich arbeite sehr gerne mit Soil und setze es auch noch lange Zeit ein, nachdem es die aktiven Eigenschaften verloren hat. Es ist leichter als Kies und kann so von den Garnelen gut bewegt werden. Da diese Substrate immer dunkel sind, kommen sie bei mir bei hellen Garnelen zum Einsatz. Bei dunklen Garnelen wie Schoko Sakuras oder Black Tiger Garnelen greife ich dann auf einfachen weißen Quarzsand zurück.

 

Neben den reinen Informationen möchte ich Dir mit diesem Artikel vor allem zeigen, dass man nicht alles glauben darf, was Händler oder Hersteller behaupten. Überlege einfach selbst, welche Ansprüche Du stellst und welches Produkt diesem am ehesten gerecht wird. Es hilft also auch hier, wenn man seinen gesunden Menschenverstand einsetzt. 

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