Shrimp-Suppe vorbeugen

Damit Deine Garnelen im Sommer nicht gekocht werden!

Die heißen Temperaturen muss man viel Trinken, körperliche Anstrengungen vermeiden und sich nach Möglichkeit im Schatten aufhalten. Wie aber geht man mit seinen Aquarien um? Gerade für Garnelen und andere Wirbellose können hohe Temperaturen schnell lebensgefährlich werden.

Diagramm: Löslichkeit von Sauerstoff in Wasser in Abhängigkeit von der Temperatur
Quelle: http://www.killikeller.de/media/images/o22.gif [2015-07-06]

Warum eigentlich? Der Hauptgrund ist, dass mit steigender Wassertemperatur weniger Sauerstoff im Wasser gelöst werden kann. Auf diese Sauerstoffknappheit reagieren verschiedene Tiere sehr unterschiedlich. Bei Diskusfischen ist zum Beispiel bekannt, dass sie Temperaturen über 30°C problemlos über längere Zeit vertragen. Auch Garnelen, gerade die kleinen Zwerggarnelen, benötigen nicht sehr viel Sauerstoff. Das ist schließlich auch die Voraussetzung dafür, dass man sie mit der Post versenden kann. Das Problem ist also nicht unbedingt der Atemsauerstoff für die Tiere, sondern vor allem die Auswirkung auf die Wasserqualität.

Sauerstoff wird für die Denitrifikation benötigt. Bei diesem Vorgang, der hauptsächlich im Filter und im Bodengrund abläuft, wird giftiges Nitrit zu weniger gefährlichem Nitrat umgesetzt. Nitrat wird dann von den Pflanzen wieder verstoffwechselt. Behindert aber eine geringe Sauerstoffkonzentration die Denitrifikation, so kann zum einen ein erhöhter Nitritspiegel für die Garnelen gefährlich werden. Aber auch das ganze Gleichgewicht im Aquarium droht instabil zu werden und im schlimmsten Fall sogar zu kippen.

Was also tun, um das Risiko so gering wie möglich zu halten?

Es gibt verschiedene Methoden, um die Wassertemperatur zu verringern. So gibt es zum Beispiel professionelle Kühlaggregate. Diese sind jedoch sehr teuer und sehr energieaufwendig. Bei Hobbyaquarien kommen sie daher nicht zum Einsatz. Der Fachmarkt führt jedoch seit wenigen Jahren Ventilatoren, die an der Aquarienscheibe befestigt werden und Luft auf die Wasseroberfläche leiten. Somit verdunstet mehr Wasser. Dabei tritt ein physikalisches Phänomen auf: Latente Wärme wird aufgenommen. Das bedeutet, beim Wechsel des Aggregatzustands von flüssig zu gasförmig wird vom Wasserdampf Energie aufgenommen, die dem Wasser entzogen wird. Das Aquarienwasser wird also gekühlt. Die Hersteller bieten verschiedene Ausführungen für unterschiedliche Beckengrößen an und versprechen einen Kühleffekt von bis zu 3°C.


Eine andere Möglichkeit mit hoher Wirksamkeit sind Wasserwechsel mit kaltem Wasser. Diese können auch außerplanmäßig eingeschoben werden und je nach Bedarf auch sehr umfangreich ausfallen. Wichtig ist, dass das kalte Wasser kontinuierlich ins Becken gegeben wird und sich schnell verteilt. Die Tiere sind zwar gegen Temperaturschwankungen resistenter als es oft angenommen wird, jedoch bilden sich Temperatursprünge im Becken, wenn das Wasser nur lokal aufgefüllt wird.

Eine Möglichkeit Spitzentemperaturen abzufangen ist das Abschalten der Beleuchtung am Tag. In längeren Hitzeperioden kann man auch die Zeitschaltuhr umstellen, sodass die Beleuchtung nachts eingeschaltet ist. So verteilt sich die Temperaturbelastung über den Tag. Wenn Du generell Probleme mit hohen Temperaturen hast, solltest Du Dir Gedanken machen, ob eine offene Lösung für Dein Aquarium möglich ist. So kann die oft sehr erhebliche Hitze der Lampen direkt nach oben abziehen, ohne das Wasser zu erwärmen.

Weniger bewährt hat sich das Hantieren mit Eiswürfeln. Manche schwören darauf, PET-Flaschen mit Wasser gefüllt im Tiefkühlschrank gefrieren zu lassen und dann ins Becken zu legen. Meine Erfahrungen gehen aber eher dahin, dass das Eis von den Lampen aufgetaut wird und dem Wasser nur wenig Energie entzieht. Auf dem Thermometer lässt sich der Effekt fast nicht nachweisen.

Es gibt jedoch auch die Möglichkeit, der Sauerstoffarmut direkt entgegenzuwirken. Die wohl einfachste Methode ist, eine Membranpumpe zu betreiben, die Luft in das Wasser pumpt und diese dann durch die Wassersäule noch oben steigt. Dieses Verfahren ist jedoch recht ineffektiv, da nur wenig Sauerstoff gelöst wird und zum anderen viel CO2 aus dem Wasser getrieben wird, welches man eigentlich lieber halten würde. Da das direkte Einleiten von Sauerstoff ins Wasser kostspielig und wenig komfortabel ist, müssen andere Methoden her.

Foto: Söchting Oxydator im Garnelenaquarium
Oxydatoren gibt es in verschiedenen Größen und sind für Garnelen völlig ungefährlich. Bei vielen Züchtern gehören sie als Standartausstattung in jedes Becken. Quelle: http://i1251.photobucket.com/ albums/hh553/BossAquaria/026.jpg [2015-07-06]

Am Markt etabliert haben sich die Oxydatoren, auf die die Firma Söchting Patente hat. Diese Minireaktoren werden mit einer Wasserstoffperoxid(H2O2)-Lösung gefüllt, welche sich dann zu Sauerstoff und Wasser zersetzt. Es treten also keine giftigen Reaktionsprodukte auf und der Sauerstoff entsteht so fein, dass er sich schnell im Wasser lösen kann.

Dagegen noch recht neu sind die sogenannten TWINSTAR-Modelle. Diese nutzen das Prinzip der Elektrolyse. Ein Steuergerät legt eine Spannung an den Diffusor an, der im Aquarium untergebracht wird. Der Rest ist einfache Chemie: Liegt eine Spannung an Wasser an, so trennt sich dieses in die Elemente Sauerstoff und Wasserstoff auf, die dann gasförmig vorliegen und als kleine Bläschen zur Oberfläche steigen. Auf diesem Weg kann sich wiederum der Sauerstoff im Wasser lösen. Übrigens: Bei diesem Vorgang entsteht für atmosphärische Verhältnisse nicht genug Gas, um eine Explosion herbeizuführen. Auch eine Spannung im Wasser anzulegen ist weder für die Tiere im Becken noch für den Aquarianer bei der Arbeit gefährlich, auch nicht bei einem direkten Kontakt.

Die beiden letztgenannten Methoden haben den zusätzlichen Vorteil, dass der Sauerstoff teilweise in der Form des aktiven Sauerstoffs (O3) auftritt. Dieser ist sehr reaktionsfreudig und bindet daher Giftstoffe und wirkt desinfizierend.

Mit diesen Ratschlägen im Gepäck solltest Du gerüstet sein, um Deinen Garnelen auch im Sommer gute Bedingungen bieten zu können. Du musst am Ende auch für Dich herausfinden, was in Deinen Augen am meisten Sinn macht. Ich bevorzuge für meine Becken die Wasserwechselmethode. Gemeinsam haben alle Varianten den erhöhten Arbeitsaufwand, um den man nicht herumkommt.

 Sage der Community und mir Deine Meinung zu diesem Artikel.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0